Vorbereitungskurs für ehrenamtliche Hospizmitarbeiter
Am 2. 12.2010 war es dann so weit. Wir feierten den Abschluss der ersten zwei Vorbereitungskurse für die Vorbereitung der ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter.
Der dritte Vorbereitungskurs begann am 11.01.2011 um 16.30 Uhr in der Schlossstr. 6 in einem Seminarraum der Adventgemeinde Charlottenburg. Hier finden Sie Informationen zu den Inhalten und Struktur des Lehrgangs als Download.
Hier einige Reaktionen der Teilnehmer von diesem Vorbereitungskurs:
Martina Tinney, schreibt:
Der Grundkurs zur
Hospiz-Ausbildung brachte mir viel Neues, auch gänzlich Unbekanntes aus
dem psychologischen Bereich. Unter den Teilnehmenden hatte ich erst
Rentner erwartet, die nicht mehr die Erwerbsarbeit leisten müssen und
war sehr erstaunt, dass jüngere Berufstätige mit "Kind und Kegel" sich
der Ausbildung zu diesem Ehrenamt widmeten.
Längere Zeit befasse ich mich mit der Vision, dass da noch was Grosses für uns bereit gehalten wird - nach unserem Ab-leben.
Dass
das viele Sterbende anders sehen mögen, lass ich dahingestellt. Wir
haben in diesem Kurs Richtlinien im Umgang mit den uns Anvertrauten
bekommen. Dabei fiel mir mehr und mehr auf, dass es nicht um Techniken,
um mehr Wissen und Regeln geht, sondern ganz allein um unsere Fähigkeit
"beizustehen" in der schwersten Zeit, in dem Prozess des Sichwandelns.
Und beizustehen kann bedeuten: ob Gespräche gewünscht werden oder
Stille, ob körperliche Berührung ersehnt wird oder Zuhören oder beides
... ich habe mit dem Herzen verstanden, dass demjenigen, um den es geht,
der uns demnächst verlässt, meine ungeteilte Aufmerksamkeit gilt. So
wie das Monika Müller in ihrem Buch so klar beschrieben hat: ich verlasse mein Schneckenhaus von Selbstbezogenheit und Selbstgewissheit
... das heisst für mich einen Schritt zurücktreten vor dem grossen
Ereignis, das dem anderen zuteil wird - ob er friedlich geht oder mit
Seelen-schmerz. Ich stehe ihm bei.
Der christliche Aspekt hierbei in
der Geschichte von Emmaus (Jesus Treffen auf die Jünger nach seiner
Kreuzigung) hat das total deutlich gemacht, dieses Beistehen, dem
anderen lauschen, mitschwingen und so lassen ...
Ob mir das nun
wirklich gelingt ? Ich glaube, dass da noch viel mehr ist, womit ich
konfrontiert werde - das Leben wie das Ab-leben birgt Geheimnisse ...
und das lässt mich weiter staunen und dankbar sein gegenüber der
grossartigen Schöpfung.
Das wünsche ich mir "später" auch, dass mir beigestanden wird, ganz uneigennützig, aufrichtig, herzlich ...

Dominique Makris schreibt:
Der Grundkurs hat mir sehr gut gefallen. Entscheidend war die gute
Stimmung, die durch Aristide Proksch, unseren Leiter entstand. Er hat
immer geduldig zugehört, alle unsere Fragen so gut wie möglich
beantwortet und uns viele Perspektiven zu dem Thema Sterbebegleitung
aufgezeigt. Ich habe mich immer auf die Gruppenabende gefreut und war
gespannt auf das jeweilige Tagesthema. Ich konnte sehr viel Informatives
zu dem Thema durch zahlreiche Texte, die wir gemeinsam bearbeitet
haben, erhalten. Außerdem standen viele Bücher und auch Filme zur
Verfügung. Aristide hat immer versucht, die Gruppendynamik ins Positive
zu wandeln, wenn die eine oder andere Diskussion entbrannte.
Manchmal
war es schwer für ihn, hier wieder Einklang in die Gruppe zu bringen.
Ich denke, dass ich sehr gut vorbereitet bin, Sterbegegleitung zu praktizieren. Tja, Negatives fällt mir derzeit nicht ein! Vielen Dank
Aristide!
Christine Roßbach:
Die Grundausbildung zum Hospizbetreuer verging wie im Flug. Das übergeordnete Thema während dieser drei Monate war Kommunikation. Jede Woche befassten wir uns mit einem von insgesamt acht Schritten in der Begleitung sterbender Menschen, angefangen vom Wahrnehmen über das Zuhören und Loslassen bis hin zum Aufstehen, nachdem ein Mensch gegangen ist. Ich habe es als sehr angenehm empfunden, dass diese acht Schritte nicht als trockene Theorie „gepaukt“, sondern quasi spielerisch in Form von vielen Selbsterfahrungen vermittelt wurden. Dieses Wissen „sitzt“ und ist auch in der Welt außerhalb der Hospizarbeit sehr hilfreich.
Eine der Selbsterfahrungen bestand für mich in der Erkenntnis, dass eine Botschaft erst im Kopf des Empfängers ihre eigentliche Wirkung entfaltet, oftmals auch unabhängig davon, wie sie auf der „Sachebene“ gemeint war. Je nach individueller Prägung des Empfängers kann eine rein sachliche Information daher auch als Aufforderung oder Kritik an der Beziehung verstanden werden. Auch der Tonfall und die Gestik sind Teile einer Botschaft. Wenn man Kommunikation so differenziert betrachtet, ist es eigentlich ein Wunder, dass es nicht mehr Missverständnisse gibt…
Wir lernten auch die einzelnen Phasen des Sterbeprozesses kennen, wie zum Beispiel das Nicht-wahr-haben-wollen der aussichtslosen (gesundheitlichen) Situation aber auch Wut und Traurigkeit. Dabei ist es wichtig, dass diese Phasen – wie alles im Leben – nicht streng linear verlaufen, sondern eher einer Spirale gleichen. Das heißt, mit jeder neuen Krankheitsphase kann der Prozeß seine Richtung ändern.
Jede Begleitung ist individuell, Pauschalrezepte gibt es nicht. Das ist eine weitere wichtige Erkenntnis des Grundkurses. Meine Angst, ob ich allen Facetten der Sterbebegleitung gewachsen sein werde, wurde mit jedem Kurstag ein bisschen weniger, was ich dem Kursleiter, Aristide Proksch, verdanke, der uns in Rollenspielen sehr geschickt und einfühlsam durch unsere Unsicherheit lotste. Wir erhielten eine gute Schulung darin, Stimmungen eines verzweifelten Menschen aufzufangen und darauf angemessen und „richtig“ zu reagieren.
Natürlich war auch der eigene Tod ein Thema. Durch Fragen wie „Was kannst du loslassen im Leben und was nicht?“ erhielt ich eine Ahnung, mit welchen Gedanken und Ängsten sich ein Sterbender auseinandersetzt.
Insgesamt erhielt ich während des Grundkurses einen Eindruck, wie es sein kann, voller Mitgefühl und Präsenz einen Menschen zu begleiten, ohne gleichzeitig im (gefährlichen) Helfersyndrom zu versinken.
Trotz (oder gerade wegen?) des ernsten Themas wurde auch viel gelacht. Ich freute mich stets auf das wöchentliche Treffen. Auch meinen Mitstreitern ging es so, was für den lebendigen und auch heilsamen Unterricht spricht. Danke dafür an Aristide Proksch!
April 2011, C.R.

Berühren mit Respekt

Die Handmassage gehört zu einem der beliebten Bestandteile des Vorbereitungskurses genau so wie die Anwendung von Aromaölen. Beides bewirkt eine Stimulierung der Wahrnehmung einer Person, die schwer krank im Bett liegt und kaum menschlichen kontakt hat.
Sollten Sie Interesse daran haben, einen Eindruck von der Athmosphäre eines solchen Lehrgangs zu bekommen, teilen Sie uns das bitte mit per Email an: proksch@aww-hospizberlin.de. Wir beraten Sie gerne kostenlos und unverbindlich und freuen uns, wenn Sie sich für diese anspruchsvolle ehrenamtliche Tätigkeit interessieren. Unsere Kurse sind anerkannt und schließen mit einem anerkannten Zertifikat für ehrenamtliche Hospizbetreuer.
Wir werden auch in Zukunft regelmäßig solche Kurse anbieten. Schauen Sie deshalb ab und zu rein.